Donnerstag, 15. Februar - Bamako / Kouligoro

Nix wie weg!

Ankunft Bamako. Die Hauptstadt von Mali hat eigentlich nur eine einzige Attraktion- ihren Namen. Denn Bamako heißt übersetzt Tümpel der Krokodile, wobei mit Tümpel das hier beginnende Nigerdelta gemeint ist. Vielleicht erinnern sich einige der Vierbeiner an ihre Herkunft und lassen sich mal blicken, doch der Weg von Flughafen in die Innenstadt ist mit dem gesäumt, was ich auch sonst so an westafrikanischer Fauna kenne: Ziegen und Straßenköter.

Es ist bereits 16 Uhr durch und ich will zumindest heute noch die 50 Kilometer nördlich nach Koulikoro schaffen. Und zwar im Hellen. Die Straßen sind auf den ersten Blick überraschend gut, aber das kann sich blitzartig ändern. Hier vierspuriger Asphalt, fünf Meter weiter Buckelpiste a la Kongo. Gebaut wird grundsätzlich so lange Geld da ist und das reicht immer nur so für drei, vier Kilometer.

Der Flug über die Sahara war wie immer. Wahlweise Schiffschaukel oder Achterbahn. Man glaubt gar nicht, welche Unwetter sich über der Wüste den ganzen Tag zusammen brauen. Mittags um eins würde es gar für eine halbe Stunde stockfinster, und das in 11 Kilometer Höhe. Oder der Pilot ist absichtlich tiefer geflogen, um bei dem Durchgeschüttele nicht einzuschlafen. Jedenfalls erinnere ich mich an den alten Spruch, dass in der Wüste schon mehr Leute wegen reißender Unwetter ertrunken als in der prallen Sonne verdurstet sind.

Rund 12 Stunden seit der Abfahrt bin ich bei der Landung unterwegs. Nun stand ich am Flughafen. Und lernte meine erste Lektion. Denn plötzlich kam eine Gruppe wenig wichtig aussehender Herrschaften in langen Gewändern. Es waren allerdings nicht die Sternsinger, sondern angeblich welche von Interpol. Man muss also nur laut Interpol rufen, ins sich vordrängelnd und ohne Ausweis und Visum elegant an der Immigration vorbeizuschlurfen. Es gab zwar eine laute Diskussion, aber der Kontrolleur war überfordert und machte sich aus dem Staub.

Geduld heisst das Zauberwort, will man hier überleben. Und das andere lautet respektiere dicke Herren in bunten Uniformen. Thats Africa.

Bamako ist eine dieser Großstädte, die man am liebsten umgeht, deshalb umgehe ich die auch. In den Vororten zwar unaufgeregt großräumig angelegt, in der Innenstadt von kleinen staubigen Straßen gesäumt. Da der Flughafen im Süden und die Ausfallstraße nach Norden tatsächlich in Norden liegt, werde ich wohl oder Übel die kleine Stadtrundfahrt in Anspruch nehmen.

Koulikoro ist ein kleines Städtchen am Niger. Hier mache ich den ersten Stopp. Nachtleben scheint es hier keines zu geben, aber das ist bei meiner ausgelaugten Psyche heute auch kein Problem. Das Hotel namens Nanagaleni har kühles Bier und eine Schweizer Besitzerin. Touristen gibt es hier zwar keine, aber die hier stationierten Soldaten haben einmal im Monat einen halben Tag frei und nutzen den hoteleigenen Swimmingpool. Nanagaleni heißt übrigens Schwalbe, hat aber mit einschlägigen Fussballakrobaten hierzulande nichts zu tun.

P.S. Auf dem Weg stadtaus komme ich an einer Hähnchenbraterei. Chez Coco. Wobei Coco hier nicht von Chanel, sondern dem französischen Hahn, Le cock kommt. Zum Hühnerwirt eben, oder wie der Dorn-Assenheimer sagt: zum Bambi.