Samstag, 17. Februar - Auf dem Niger

Schiebrahim

Ab Koulikoro ist der Niger schiffbar. So zumindest die Theorie. Noch gestern Nachmittag sollte es auf einer Pinasse zwei Tage lang auf dem Niger nach Ségou gehen. Parallel hierzu verläuft auch eine Straße, die nach dieser Tour auch jedem empfohlen sei. Nur wer das Abenteuer sucht fährt in der Trockenzeit über den Fluss. Zumindest versucht es.

Denn der an sich weite und grosse Fluss sucht sich derzeit in unzähligen Rinnsalen einen Weg durch die Felsen und die Landschaft. Die zwei grossen, in Deutschland gebauten Flussschiffe, sollen noch bis Mopti fahren. Wegen der Auseinandersetzungen in Mali ist da allerdings Endstation. Doch das einzige was fährt sind einige Barkassen und die Pinasse eines Unternehmens mit dem sinnstiftenden Namen Experience Mali.

Rund fünf Stunden schippern wir entlang ohne etwas nennenswertes an den Ufern zu sehen. Leute, die Wäsche waschen und Fischer, die sich auf ihren kleinen Booten in die Flussmitte bewegen, um irgendwas zum Füttern auf d m Mittagstisch zu haben.

Ansonsten nichts zu entdecken an der halb in der Savanne und halb in der Wüste liegenden Landschaft. Von Flusslauf jedenfalls keine Spur, wodurch das Boot immer wieder auf eine Sandbank aufläuft. Und was das bedeutet, kann sich jeder denken. Alle Mann raus aus dem Boot und kräftig schieben. So stehe ich je nach Tiefe entweder bis zu den Knien oder oder den Armen um Niger und schiebe. Der Bootsführer heißt übrigens Ibrahim, dem ich bereits nach kurzem den Namen Schiebrahim verpasse.

Doch Schiebrahim wusste genau, wann wir das Boot auf der Sandbank pendeln lassen mussten und wann wir mit Karacho und eins, zwei, drei Schub geben mussten. So flogen wir quasi über den Sand bis zur nächsten Sandbank. Kurz vor Sonnenuntergang strandeten wir schließlich auf einer größeren Bank in der Nähe eines Dorfes. Was ich jedenfalls vermutete, da der Dorfesel die ganze Nacht hinweg herumblökte. Abends dann noch ein Lagerfeuer, gekühltes Bier, das ich in Koulikoro besorgte und geritzt war der Abend.

5 Uhr morgens auf einer Sandbank mitten auf dem Niger. Hier wird man nicht von Hahn sondern vom Esel am gegenüberliegenden Ufer geweckt. Ich verlasse mein Zelt um diverse Örtlichkeiten zu verrichten. Da weit und breit kein Busch zu sehen war, stolpere ich in den Uferbereich. Doch Sand ist nicht gleich Sand. An Ufer gibt der Untergrund nach und ich Rutsche mit samt der Morgentoilette einen halben Stock tiefer. Nicht das oben noch das Toilettenpapier heraus geflattert wäre.

Weiter ging's per Boot den Niger entlang nach Koryoume, wo das seichte Wasser am Flussufer schon das schlimmste Ahnen lies. Keine 15 Minuten später liegen wir auf einer Sandbank auf. Also erneut: alle Mann raus und dann schieben. Jetzt ist der Flusslauf nicht gerade eben, blitzschnell ändert sich die Tiefe und statt knietief könnte ich plötzlich nur noch Wasser ausspucken. Binnen zwei Stunden bin ich so gleich zweimal im Niger versunken. Es gibt Leute, die denken bei Mali an Terroristen oder irgendwelche Infektionskrankheiten, ich denke nach 48 Stunden nur noch an die Nigerfälle.

Man erzählt in der Piroge, dass es hier sogar Flusspferde gibt. Gesehen habe ich keines, die hätten zudem auch nur bis zum Knie suhlen können.

P.S. In einem Dorf am Ufer machen wir Rast. Hundert Kinder säumen den Weg, um vermutlich erstmals im Leben einen Weißen zu sehen. An einem Misthaufen sage ich Misthaufen, Ruft einer der Kleinen zurück: Kakakaka. Als ich mich erkundige, erfahre ich - hier scheisst das ganze Dorf.