Sonntag, 18. Februar - Segou

Theresa

Der heutige Tag verläuft genauso wie der gestrige. Von morgens bis abends schippern wir den Niger entlang, laufen auf Sandbänke, hüpfen ins Wasser und schieben das Boot. Es geht doch nichts über den alten Gassenhauer „eine Seefahrt die ist lustig“ Die Landschaft ist monoton und das Bier ist kühl. Somit ist wenigstens für etwas Abwechslung gesorgt.

Der Niger hat nun viel Seegras auf der Oberfläche. Zeitweilig sieht es aus, als wären wir nicht im Wasser, sondern auf einer grossen Wiese. Manchmal kämen Flusspferde, hieß es, die könnten das Boot kentern. Ich halte aber eher nach Krokodilen Ausschau, da mir diese Viecher weit gefährlicher scheinen als aggressive Hippos. Hätte ein Krokodil den Kopf aus dem Wasser gehalten, mich hätte es nicht gewundert. Doch auch hier Fehlanzeige! Ausser Vögeln, Zebus und Ziegen waren keine Tiere zu sehen.

Höhepunkte sind die Stopps in den Dörfern. Hier kaufen wir Brot, Bier, Reis und Fisch ein, um am Abend etwas über dem Lagerfeuer zum Brutzeln zu haben. Bier ist allerdings in den muslimischen Dörfern nicht so einfach zu bekommen, stattdessen ergattere ich eine Kiste Wodka Energy. Das Zeugs versetzt mir dann auch gleich einen Zuckerschock und befördert mich erstmal ins Koma. Komasaufen einmal anders.

In einem Dorf treffen wir den König. Der Palast ist eine Bretterbude und ich frage mich, ob das wirklich der König hier ist oder vielleicht doch nur der Herr König dort wohnt. Mit Mann und Maus stellt er sich zum Gruppenfoto auf, wobei mit Maus seine unzähligen Frauen und noch unzähligere Kinder mit gemeint sind. Im Haus finden sich Trommeln, die angeblich mit Menschenhaut überzogen sind. Ob‘s wirklich stimmt? Nich dass die Trommel kaputt ist und mir noch das Fell über die Ohren gezogen wird.

Im Dorf ergattern wir eine SIM Card. Zwar muss ich nicht telefonieren aber vielleicht kommt man so hier in der Pampa ins Netz. Nicht dass es geklappt hätte. Aber wer sich im Netz von Orange registriert, der erhält erstmal Post. Und zwar von einer gewissen Theresa Love, die hier ihre Dienste anbietet. So wird aus der Firma Orange ruckzuck die Hotline zum Rotlicht Viertel. Nach näheren Konsultationen stellt sich heraus, dass die Dane in Bamako arbeitet, was nun auch wieder fast 200 Kilometer entfernt ist. Und Bootsbesuche in dieser Entfernung wollte die dunkelhäutige Theresa dann auch wieder nicht machen.

Auf dem Weg nach Ségou mache ich in dem einen oder anderen Dorf einen Stopp. Obwohl Mali eines der ärmsten Länder ist, sieht es hier doch deutlich wohlhabender aus als beispielsweise im Niger oder Nordkamerun aus. Selbst Von Sonnenkollektoren angetriebene Straßenlaternen sind zu finden und die Bausubstanz der Häuser ist nicht in traditionellem Lehm sondern in Zement.

Ein paar Frauen stehen mit ihren Kindern herum und waschen Wäsche. Irgendwie ist hier immer Waschtag. Und wenn das Baby nicht auf den Rücken gewickelt ist, dann knallt es auch schon freudig die Wäsche auf den Stein. Ich frage, ob wir uns auf dem Hof umsehen dürfen. Wir durften. Es zeigte sich, dass die Frauen aus den Nüssen eines Baumes eine Melasse herstellten, die zur Produktion von Hautcrèmes und Seifen verwendet wird. Der Baum heisst Karité, deutsch Schibutter-Baum. Die Butter wird zwar fest wie Backsteine, scheint aber zu nutzen.

Die Frau des Hauses zeigt diverse Bottiche, wo die Seife abgeschöpft wird. Damit ist das Dorfleben auch schon beschrieben. Fische fangen und Seife produzieren. Auf meine Frage wo denn hier Hirsebier hergestellt wird, Ernte ich Kopfschütteln. Der hiesige Moslem trinkt ja keinen Alkohol und 15 Jahre zu warten bis ein durstiger Tourist auftaucht, lohnt die Sache dann auch nicht. Mit einer Ananaslimo ziehe ich von dannen.

P.S.: Am Abend packt dann jemand eine Mundharmonika aus. Es erklingen Hänschen klein und Wir lagen vor Madagaskar. Stadt Abenteuer Mali nun Pfadfindertreffen unterm Sternenhimmel am Nigerstrand.