Montag, 19. Februar - Djenne

Erotische Wechselstube

Nach drei Tagen auf dem Niger und kühlen Nächten unterm Sternenhimmel der erste Stopp in einer Stadt. Ségou, die alte Residenzstadt der Bambara Könige. Einen der Nachkommen der Könige treffen wir inklusive seiner Mätresse rund 30 Minuten vor der Stadt. Der König sieht etwas abgehalftert aus im Gegensatz zu seiner wohlgenährten Mätresse und hat definitiv nicht mehr die Kröten, seinen Zahnarzt zu bezahlen. Außerdem ist die Mätresse gebleicht, was natürlich auch nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist.
 
Die Audienz lässt er sich mit immerhin 4 Euro vergüten. Bedenkt man, dass Mali seit ewigen Zeiten eine Republik ist stellt sich natürlich die Frage nach der Funktion des Herrn Herrschers. Er gibt auch bereitwillig Auskunft und ist hier do eine Art Schiedsmann. Das heißt, wenn es irgendwo Probleme gibt, gehen die Leute zunächst zu ihm, bevor man sich dann bei Gericht so richtig zofft. Was dann vom Rat des Weisen zu halten ist, lassen wir denn mal dahin gestellt. Denn der Meister ist der flüssigen Sprache dann doch nicht mehr so mächtig und trifft dann auch eher kurze Entscheidungen. Wie zum Beispiel: Mein Nann hat mich betrogen, soll ich ihn rausschmeißen? Antwort: Ja.
 
Nicht überraschend werde ich im Dorf schnell zum Liebling der Kids. Diese folgen mit nicht nur um jede Häuserecke herum, nein: wenn der Onkel schon im Dorf ist, dann nimmt man ihn auch gleich an der Hand. Was bei drei oder vier noch problemlos machbar ist, wird bei 10 Kids dann doch schon zu einer Herausforderung. Zudem entwickeln die Kleinen schnell ein Sprachgefühl und sprechen mir alles nach. Eine gute Gelegenheit, denke ich für einen Gruß nach Hause. Und üben mussten wir nicht. Denn schon Sekunden später schallte es im zehnstimmigen Sound: Viele Grüße nach Schloggebach!
 
Am Abend wollte ich erstmal Geld wechseln und stoße an die Grenzen meiner ohnehin nicht vorhandenen Französisch Kenntnisse. Ziel war es, einen handelsüblichen 50 Euro Schein in lokale Währung, den Zentralafrikanischen Franc zu tauschen. Allerdings hatte der Kellner ein anderes Verständnis, wenn ein Europäer mit einem 50er wedelt. Denn zwanzig Minuten später hatte ich keine Francs auf, sondern eine Prostituierte neben dem Tisch stehen. Was nun? Ob sie nebenbei auch noch eine Wechselstube betreibt?
 
Dabei hätte ich den wenn auch uralten Reiseführer zu Rate ziehen sollen. Denn dort heißt es: Hüten sollen sich die Männer vor den Frauen von Ségou. Sie gelten als Meisterinnen der erotischen Künste und, so sagt ein Sprichwort: Das Unglück beginnt mit einer Frau aus Ségou.
 
Machen wir’s kurz. Um Geld zu wechseln, musste sie ja erst mal welches verdienen und da kam nach Lage der Dinge ohnehin nur ich in Betracht. Also besann ich mich auf mein Reservoir an Ausreden und arbeitete diese der Reihe nach ab: verheiratet, Religion, politische Überzeugung. Leider lässt sich die Dame nicht abwimmeln und so verbringe ich den Abend mit Diskussionen an der Hotelbar.
 
Allerdings ist das Nachleben von Ségou auch nicht sonderlich berühmt, als das ich was verpasst hätte. Gleiches lässt sich über dem Markt am folgenden Morgen sagen. Wer noch nie auf einem westafrikanischen Wochenmarkt war, der wird sich vom bunten Treiben schnell anstecken lassen. Überall finden sich Leute die irgendetwas anpreisen. Tücher, Seife, Fisch und Krimskrams. Damen in ihren traditionellen Gewändern und die Herren in Alltagskluft. Doch der Kunst- und Souvenirmarkt ist überschaubar, so dass ich nicht länger als eine Stunde bleibe. Einzig die kleinen Lehmtore in der typisch sudanesischen Bauweise mit den vielen Türmchen und das unvergleichliche Ambiente am Niger-Fluss machen dennMarkt zu einer kleinen Attraktion.
 
Weiter geht’s nach Djenné entlang der Hirsefelder, der kleinen typischen Dörfer in Richtung San. Wir fahren am Ende der Regenzeit, deshalb ist das Land ein wenig grün, es gibt sogar kleine Dorfteiche. Für die Menschen hier ist selbst so ein kleiner Teich Luxus pur während unsereins nicht ansatzweise auf die Idee käme, in so einem Tümpel zu baden.
P.S. Anhang der Tiere ist es ziemlich einfach die Religion der Dorfbewohner zu erkennen. Tatsächlich springt irgendwann eine Sau auf die Straße. Genau: hier wohnen Christen und genau so wichtig: hier gibt es Bier!