Mittwoch, 21. Februar - Mopti

Nahezu Kopflos

Gestern ging’s nach Mopti. Die Stadt ist so etwas wie die Pforte nach Mordor, dahinter beginnt das Reich der Islamisten der Al Qaida im Maghreb (AQIM). Sie steinigen Ehebrecher, amputieren Gliedmaßen für Bagatelldelikte, haben Musik und Alkohol verboten und die Wirtschaft ruiniert - ein extrem gefährliches Terrain. Es beginnt die von der UN so bezeichnete rote Zone, in der Städte wie Timbuktu oder Gao liegen. Die allerdings auch nach den Zerstörungen durch die Terrorkommandos auch nicht mehr wieder zu erkennen sind.

Die 90 Kilometer legen wir flott zurück, wäre da nicht die erneute Überfahrt mit der Fähre gewesen. Schon aus großer Entfernung schallte es Fritz, Fritz, Fritz. Die Kids haben doch ein gutes Gedächtnis und wissen genau wer da jetzt kommt bzw. mit wer da noch eine Rechnung offen hat. Ich ergattere zwei Schlüsselanhänger, doch werde ich die Plagegeister nicht los. Halsketten und Armreifen sollte ich auch noch erwerben, doch dann wurde aus Fritz ein neuer Geselle aus Asterix und Obelix: Gestatten, mein Name ist Kaufnix.

Wenig später stehen Kids in Ku Klux Klan ähnlichen Kostümen am Straßenrand und klappern mit undefinierbaren Rasseln um die Wette. Sie sammeln drei bis vier Wochen lang Geldmünzen, um dann eine große Party zu feiern. Natürlich hat das alles seinen Sinn, denn die Kleinen sind Moslems und werden dann beschnitten. Dergleichen ist mir zumindest erspart geblieben, auch wenn ich da gerne mitgemacht hätte. Quasi Sternsinger ohne Einkehr.

Mopti selbst ist ein unglaubliches Drecksnest. Angeblich auch ein malisches Venedig, aber hier gibt es wirklich nichts mir der italienischen Hafenstadt gemein. Wir besichtigen den Hafen, in dem mehr Müll herumliegt als die Stadt Frankfurt das Jahr über in der Müllverbrennungsanlage umschlägt. Doch die Leute sind freundlich, die Kids freuen sich über die mitgebrachten Bonbons.

Nun geht’s weiter in einer Pinasse zur großen Hafenrundfahrt. Glück im Unglück habe ich, als der Depp von Bootsführer sein Gefährt Millimeter an einer riesigen Stahlplatte vorbeibugsiert. Hätte ich nur 10 Zentimeter entfernt an anderer Stelle gestanden, das Ding hätte mir die Rübe geradewegs weggepustet. Wie man sieht bedarf es also nicht einmal der Säbel von Al Qaida, um Mali kopflos zu verlassen. Und die stellen das Geschehene wenigstens noch auf YouTube, damit sich die liebe Verwandtschaft den Enthaupteten gebührend verabschieden kann.

Zu Fuß erkunden wir den Markt, ebenfalls buntes Treiben, üble Gerüche und ständig wird man zum kaufen animiert. Aber heute ist wie gesagt der Namenstag des Heiligen Kaufnix. Attraktion sind zudem riesige Salzplatten, welche von den Salzkarawanen aus der Sahara hier her gebracht werden. Solche Karawanen hatte ich schon mal in der Nähe von Agadez im Niger gesehen. Da kann man nur noch staunen, selbst ein Kamel trägt nur zwei solcher Platten.

Am Nigerufer waschen die Frauen Ihre Wäsche und legen sie dann zum trocknen aus. Ein Wunder wie sauber die Wäsche ist, obwohl doch ansonsten nur alles verdreckt ist. Überall Pinassen und Pirogen, vollbesetzt mit Frauen und grünen Reisbündeln, die allesamt zum Markt wollen oder Fischern, die ihre Netze auswerfen und den spärlichen Fang einholen. Männer tragen riesige Säcke auf ihren Rücken durch das Wasser, Lastkraftwagen, bei denen man sich wundert, dass sie noch fahren, transportieren hoch aufgetürmte Ladungen.

Mopti hätte auch mal ein tolles Nachtleben. Jedenfalls bevor Al Qaida kam. Bar Mali - zerbombt. Bar Louis oder so - der Eigentümer hat sämtliches Inventar vor Jahren zusammengepackt und sich nach Marokko in Sicherheit gebracht. Nach den Aussagen von Einheimischen, sei da danach niemand mehr dort gewesen. Kein Tourist und keine Bösewichte, einfach niemand. Ich finde dennoch eine Kaschemme und vergnüge mich mit den Einheimischen. Mangels Sprachkenntnissen ein aber eher erfolgloses Unterfangen. Es fällt zudem auf, dass sich hier nur die Männer besaufen. Frauen inklusive des doch sonst allgegenwärtigen Rotlichtgewerbes sucht man vergeblich.

Am frühen Morgen geht’s nach Bandiagara mitten hinein in das Dogonland. Unterwegs treffen wir auf kleine Dörfer und Bellas, ehemalige Sklaven der Tuaregs. Die Fahrt ist bei der Hitze anstrengend, aber das Auto rollt und rollt und die Klimaanlage gibt ihr bestes. Was allerdings auch nicht allzuviel heißt. Doch dazu morgen mehr.

P.S.: In der oben bezeichneten Bar herrschen nordkoreanische Verhältnisse. Mangels Wechselgeld musste passend getrunken werden. Und ich hatte nur einen großen Schein dabei.