Donnerstag, 22. Februar - Dogonland

Maskenball

Zwei Tage verbringe ich im Dogonland östlich von Mopti, das sich bis in die Nähe von Timbuktu zieht. Die Landschaft ist geprägt von den Ausläufern der Falaise von Bandiagara, ein zig Kilometer langer Felsabbruch und eines dieser Naturschauspiele, weshalb sich hierher überhaupt ein Tourist verirrt. Kleine grüne Zwiebelfelder am Rand der Flüsse unterbrechen die rotbraun gefärbte Landschaft. Überall kleine Dörfer mit ihren schnuckeligen Rundhütten und dann diese blattlosen, riesigen Baobab-Bäume.

Wir besuchen einen mystischen Ort mit vielen Wandmalereien, wo allerdings auch heute noch Beschneidungen stattfinden. Wir steigen auf einen Hügel, plötzlich bleiben die Kinder, die uns immer begleitet haben, unaufgefordert, zurück. Man sieht karge Steine, blutbeschmiert, rote Felsmalereien, ein unwirklicher Ort, nichts für mich.

Ansprechender ist dann die Entdeckungstour durch Sanga, dem Hauptort des Dogonlandes mit seiner ganz eigenen Atmosphäre. Dieses altnigrische Bauernvolk kam um das 10. Jahrhundert in die Region. Die Dogons sind teils noch Animisten und zählen zu den interessantesten Naturvölkern Westafrikas. Faszinierend sind die über 200 Meter hohen Felsen, an deren Wänden die Hütten wie Schwalbennester kleben. In den versteckten Höhlen, die man in den Felsen sieht, bestatten die Dogons ihre Toten. Auffallend in den Dörfern sind die Ratsdächer, wo die Dorfältesten sich zu Beratungen treffen. Hier werden noch die alten Riten, Sitten und die Gebräuche in Form von Tänzen, Kunst und Glauben des alten Afrikas praktiziert.

Nach einem längeren Fußmarsch machten wir Rast in Tireli, ein Dorf in den Bergen des Dogonlandes. Ich bin durch die Hitze müde und kaputt. Leute aus dem Dorf kochen, aber außer ein paar Happen Reis bringe ich nichts runter. Das angebotene Hirsebier lehne ich dankend ab, die mit Spucke versetzte Plörre kenne ich schon aus dem Norden von Kamerun. Und wie es dem dortigen Medizinmann nach doch erheblichem Konsum ging, ist mir auch noch geläufig. Egal, Bier hatten wir in der Kühlbox dabei, uns so könnte man sich an einem nette und dann aber kühlen Abend gut erholen.

Am kommenden Morgen stand der Dorfplatz im Mittelpunkt des Geschehens. Denn sprichwörtlich für das Dogonland sind dessen Rituale, Riten und jede Form von Mythos. Für den zunehmend atheistischen Europäer interessant, aber dennoch gewöhnungsbedürftig.

Heute führte man extra für uns einen Maskentanz auf. Man hatte den Eindruck, dass alle Männer des Dorfes maskiert daran beteiligt waren. Frauen ist das Spektakel offenbar verboten. Überhaupt gibt es viele mystische Stellen im Ort, die dem jeweils anderen Geschlecht auch nur zu berühren verboten sind.

Selbst der Dorfälteste machte mit begrüßte sein Publikum. Die Tänzer in ihren Kostümen und Masken wirbelten ab einen Tanz der Derwische erinnernd vorbei. Große Masken, Figuren auf Stelzen, bunte Farben. Traditionell versammeln sich die Tänzer auch zu Beerdigungen in bemalten Masken, leuchtend bunten Strohröcken und mit Brustschmuck aus Muscheln. Die Menschen des Dorfes, die nicht am Tanz beteiligt waren, standen am Rande des Geschehens und sahen zu, besonders die Kinder.

Von dem Dorf aus hatte man zudem einen überwältigenden Blick in die Ebene. Dann wurde es malerisch. Die Dörfer heißen Banani, Irelli oder sonst wie und erstrecken sich über mehrere Etagen bis zum Gipfel der Felsen. Besonders in Banani lohnt sich dann das Trecking. Hoch hinaus geht es zu den Höhlenbewohnern, die hier wahre Prachtwerke, sprich eine ganze Stadt in den Fels geschlagen haben. Nich ganz Petra in Jordanien, aber ebenso beeindruckend.

Abends herrscht in einem Dorf ein wuseliges Treiben. Jemand hat seine Boxen und Musik mitgebracht. Die Leute aus dem Dorf unterhalten sich und die Kinder machen einen riesigen Lärm. Es ist schon 23 Uhr durch, als ich mich auf mache zu meiner Bleibe, einem Zelt auf dem Dach eines Hotels. Wobei man bei der Verwendung des Begriffs Hotel schon viel Phantasie braucht.

P.S.: Frage nie einen Dogon nach einer Bierbar. Es bedeutet, dass du Sex mit ihm haben möchtest. Die Steigerung ist nur noch Barbier. Das bedeutet Sex mit seiner Mutter.