Freitag, 23. Februar - Dogonland

Palmsonntag

Nächster Tag im Dogonland. Die Sonne brennt wieder unerbittlich. An großartige Treckingtouren ist heute nicht zu denken. Beim Frühstück bekamen wir drei Gläser Tee serviert: das erste was der stark bittere Tee , auch die Droge Malus genannt. Danach das zweite, Tee a la eingeschlafene Füße und schliesslich das dritte mit derart süßem Tee, welcher jeden Diabetiker für immer gelähmt hätte. Aber der Tee ist gut und hilf den Tag über, die noch vorhandenen Ressourcen zu mobilisieren.

Und die hatte ich auch zu brauchen. Denn ich hatte den Guide gestern derart auf einen Eselkauf angespitzt, dass es letztendlich zum Geschäft kommen sollte. Das Prachtexemplar war noch relativ jung, denn mehr als 100 Euro wollte ich nicht ausgehen. Ein Esel kostet hier selbst in dieser archaischen Gegend um die 300 Euro, oder umgerechnet 200 Tausend CFA.

Leider wurden wir zunächst nicht handelseinig, denn die Leute hier kennen keine Euro und ich hatte nicht so viele CFA. Zudem will ich den Esel ja eigentlich wieder verkaufen. Mit rund 20 Kindern und dem Esel im Schlepptau kommt der Eselverkäufer in unser Campement. Vorgezogener Palmsonntag quasi. Letztendlich spendiere ich einen Fuder Heu für das Tier, denn einig werden wir nicht. Es ist abends 7 Uhr, dunkel und da werde ich den Esel auch nicht mehr los. Und im Campement herrscht striktes Eselverbot. Meinen Spitznamen hatte ich allerdings weg. Das ganze Personal nennt mich jetzt Donkey, zu Deutsch Esel.

Mit dem Auto geht es am Vormittag in ein weiteres Dorf. Eigentlich ist in der Regenzeit das ganze Gebiet überschwemmt, worauf schon die vielen Stelzenhäuser hindeuten. Denn von den Regenfällen im April und September hängt es ab, ob die Felder genügend Wasser haben, damit genügend Nahrung wachsen kann. Sie haben. Das Land ist für die Grenze zur Sahara erstaunlich grün, doch in den Flussbetten sammelt sich jede Menge Wüstensand.

Während sich die Sonne in den sandgestrahlten Flusslauf hineinrisst, bekommt unser Auto immer mehr Probleme. Beim ersten Versinken in Sandbad half noch schieben. Doch wenig später vergrub sich die Karre dermaßen im Sand, da reichten auch unserer Kräfte nicht. Jetzt zeigte sich, was afrikanische Hilfsbereitschaft bedeutet. Im Handumdrehen war das halbe Ort beim Wagen, oder was was aus dem Sandhaufen noch als solches erkenntlich war. Kids, Jugendliche, Männer. Alles buddelte die Wegspuren frei und schob die Karre aus dem Flussbett. Hurra geschafft. Doch es sollte nicht die letzte Show der Art sein. Glaube, das halbe Dogonland ist jetzt in Alarmbereitschaft. Und als Frühwarnsystem könnten die Trommeln von gestern Morgen dienen.

Zurück auf dem Highway besuchen wir einen Tümpel. Erst will ich gar nicht aussteigen, aber ich werde überzeugt. Im Tümpel dümpeln jede Menge Krokodile vor sich hin. Sie sind heilige Tiere, denn es heißt, wo Krokodile sind da ist auch Wasser. Das stimmt zumindest für den Tümpel, aber darüberhinaus ist hier außerhalb der Regenzeit alles furztrocken.

Das Leben in Dogonland ist nicht einfach. Die vielen Campements und Herbergen, deuten darauf hin, dass hier mal Touristen erwartet wurden, aber dank Al Qaida nie kamen. Ein paar Euro zusätzlich versuchen sich manche mit wahlweise als Kunst oder Plunder zu bezeichnenden Gegenständen zu verdienen. Reiter, Armreifen und Ringe aus Bronze oder Eisen, alte, teils vom Holzwurm zerfressene Masken und Skulpturen. Alles wird hier zum „Nice Price“ angeboten. Weshalb wir die Händler auch gleich Mister Nice Price nennen.

Abends ziehen dicke Wolken auf, es windet mächtig und ist angenehm kühl. Auf dem Dach des Campement habe ich mein Zelt aufgeschlagen. Schafe blöken und gekocht wird bei freiem Feuer. Wir sind auf einer kleinen Anhöhe und überblicken nochmals die Falaise unter dem Sternenhimmel. Herrlich! In solchen Momenten braucht man nichts anderes als ein kühles Bier. Und das gibt’s hier eiskalt.

P.S.: Im Dogonland tragen die Frauen offenbar noch schwerere Lasten auf dem Kopf. Als ich jemandem die Last abnehmen will, staune ich nicht schlecht. Rund 35 Liter Wasser werden da in der großen Schüssel auf der Birne den steilen und steinigen Hang balanciert. Da musste ich passen.