Samstag, 24. Februar - Mopti / Segou / Bamako

Mali Blues

Mali wird als die Wiege des Jazz und des Blues gesehen, den schwarze Sklaven auf die Baumwollfelder Amerikas mitbrachten. Doch Malis Musik ist in Gefahr. Die Islamisten der Al Qaida führen im Norden des Landes die Scharia ein, verbieten Tanz und weltliche Musik, zerstören Instrumente und bedrohen die Musiker. Viele Musiker fliehen aus der Region um Timbuktu vor dem islamistischen Terror. Der vor zwei Jahren entstandene Film Mali Blues erzählt die Geschichten von vier Musikern, die sich mit den Zuständen im Norden nicht abfinden, aber heute in anderen Städten aktiv sind.

Mangels anderer Vorkommnisse heute daher der Blog auf der nächtlichen Suche nach dem Mali Blues. Und warum ist sonst nichts passiert. Ganz einfach. Heute ging es über 400 Kilometer Richtung Ségou und Bamako, denn außer einem fast verlorenen Reifen während der Fahrt hat sich alles die vergangenen Woche schon irgendwie ereignet. Außerdem bin ich bei täglich 40 Grad im Schatten auch geistig nicht mehr so fit.
 
Also stürze ich mich ins Nachtleben von Mali. Und ich versuche etwas anderes zu finden als das Übliche, was überwiegend aus Nutten, Beat und reichlich Schnaps besteht.
 
Boom, Boom, Boom. Station eins eine Disco. In den letzten Winkel des Gebäudes dringt der Rhythmus der Musik vor. Soundanlagen, die Tote zum Leben erwecken. Die Musik ist volle Ksnne aufgedreht und ich versuche ein Bier zu ergattern. Leider wird hier jedes Bier mit mindestens zwei Prostituierten serviert, so dass man kaum zum Trinken kommt. Die einzige Möglichkeit, den Damen zu entkommen ist, Ihnen nicht zu entkommen. Also gebe ich Ihnen ein Bier aus und trotz eifrigen Werbens kann ich den Aufenthalt einigermaßen genießen.
 
Ich ziehe weiter, denn in der Disco ist der Mali Blues nicht zu finden. Mehrere Blöcke weiter finde ich ein Restaurant mit traditioneller Livemusik aus der Region um Timbuktu. So vielfältig wie die Musik sind auch die Tänze, doch auf dem Tanzparkett tut sich eher wenig. Und ich habe im Gegensatz zu sonst auch nicht die geringste Lust, dies selbst in die Hand zu nehmen. Zudem ist bis dato auch keine englischsprachige Person eingetroffen, so dass Kommunikation kaum möglich ist. Die Leute bemühen sich um mich, aber ich begnüge mich der Musik zu lauschen. Zwei, drei Bier und ich marschiere weiter, denn Musik aus dem Norden ist weder von den Instrumenten noch der Stilrichtung her weder Jazz noch Blues.
 
Next stop eine Hütte namens Bar Chez Irgendwas. Die Bar wird gesäumt von Barfrauen in leichter Bekleidung. Während ich hier auf einen Baccardi umsteige beobachte ich eine skurrile Mischung aus malinesischer Oberschicht und weißen Expats. Richtige Touristen sind eigentlich gar nicht mehr im Land vorhanden. Dank der Expats bleiben mir die einschlägigen Bardamen vom Hals. Trotz des Terrors sind noch viele Organisationen im Land, die Hilfe vor Ort leisten. Viele sehen den Abzug des Militärs zur Jahresmitte kritisch, aber lassen wir das. Schließlich suche ich immer noch den Mali Blues. Hier ist eher Rap angesagt.

Die Nacht ist doch schon fortgeschritten. Es gibt auch andere Bars, in denen man zu humanen Preisen was trinken kann und dabei nicht von Ominösem umgeben ist.
 
Als ich mich dann ins Hotel aufmache geschieht unglaubliches. Aus einer namenlosen Kaschemme erklingt A Chancen de Probleme und der Mississipi Mali Blues, zwei der Filmtracks. Hinter der Theke eine alte Dame, vor der Theke keine Gestalten, die man als Hip bezeichnen bezeichnen würde. Und auch keine Live Instrumente. Aber von einem Laptop wird Musik gespielt. 
 
P.S.: Letzendlich habe ich ihn gefunden, den Mali Blues. Auch wenn ich bei den vielen Getränken keinen Hip Hop mehr von einem Kavalleriemarsch unterscheiden könnte.