Sonntag, 25. Februar - Bamako

Abpfiff

Dars war‘s denn auch aus Mali. Am letzten Tag noch etwas durch Bamako geschlurft und dabei einen Laden Kennengelernt , der durch verschiedene Färbetechniken bunte Tücher herstellt. Erstmals auf dieser Reise habe ich dann auch ins Portemonnaie gegriffen und mir etwas an Tischdekoration gegönnt.

Auch fand ich es interessant, einen Sonntag in einem nicht vom Islam geprägten städtischen reinen Wohnbezirk zu verbringen. Denn dort findet man doch viel von der Spiritualität afrikanischer Lebensweise, wie sie sonst eher in den Vierteln der Auswanderer auf dem amerikanischen Kontinent zu sehen ist. Da wird noch richtig gefeiert, die Soundmaschine angekurbelt, getanzt, gequatscht und gelacht. Bamako ist auch wenn man es kaum glaubt, einer der Hotspots in Westafrika und das merkt man auch Sonntag nachmittags auf der Straße.

Rund 500 Kilometer bin ich die letzten Tage aus dem Dogonland via Mopti, Segou und Bamako gefahren und wundere mich noch immer über die Straßenverhältnisse. Teilweise das Niveau einer neu asphaltierten Bundesstrasse. Es macht eben doch einen Unterschied, ob fremde Truppen im Lande sind. Da werden als erstes die Straßen planiert und die Kosten vermutlich von der Entwicklungshilfe abgezogen.

Zum Schluss ein kleines Resume:

In Westafrika gibt es kein Land, das kulturell und landschaftlich so interessant ist wie Mali. Zudem kommt die schon auffällige Gastfreundschaft der Bevölkerung. Die Leute sind arm, aber man findet selbst in Großstädten kaum Bettler auf der Straße. Eine Holländerin, die seit neun Jahren in Segou lebt, brachte das Ganze auf den Punkt: in Mali verbringen die Leute die Zeit ihre Alltagsprobleme zu lösen. Und nicht damit welche zuschaffen, wie das in Europa der Fall ist.

Da war zunächst die Schiebefahrt auf dem Niger, die wahlweise dem Relaxen (sofern man im Boot war) oder der Verbesserung der Kondition (sofern man n das Boot von der Sandbank schieben musste) diente. Richtige Höhepunkte waren eher rar gesät, dafür gab es genügend Möglichkeiten, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten. Viele Besuche in den Dörfern, beim Dorfältesten oder in Häusern von Familien waren viel kleine Höhepunkte, die man bei einer Pauschalreise niemals zu Gesicht bekommt. Das verstaubte Djenne bot zudem was fürs Auge. In Erinnerung bleibt der Dreitagestrip bei den Dogon, deren kleben wie Adlernester an den Felsen von Bandiagra kleben. Und den Mali Blues habe ich letztendlich auch noch gefunden.

Sicher ist der Trip übrigens auch. Im Gegenteil: Man findet kaum Militär oder Polizei auf den Straßen. Währen in den umliegenden Ländern alle 10 bis 20 Kilometer eine Straßenkontrolle den Verkehr aufhält wird hier lediglich kontrolliert, dass die Straßenmaut auch gezahlt wird. Ärger gab es einmal mit der UN, deren rumänischer Kommandeur der Auffassung war mich zu maßregeln. Ich ließ ihn gewähren und machte dann ohnehin mein Ding. Denn das letzte Mal, wo die Rumänen-Militärs mitmachen durften, war der Ungarn Aufstand 1956. Da gab es wohl noch etwas für‘s eingerostete Ego zu tun.

P.S.: Temperatur Sonntag Mittag in Mali: 40 Grad, Temperatur Montag Mittag in Deutschland: minus 10 Grad. Temperaturunterschied binnen weniger als 24 Stunden: 50 Grad. Ich steige aus dem Flieger in Paris und Frankfurt im Mali-Outfit aus. Hätte mich die Grenzpolizei wegen exibitionistischer Neigungen verhaftet, ich hätte es nachvollziehen können.