Samstag, 12. Mai - Machatschkala / Derbent

Happy Birthday 

Fangen wir mit dem Abend an. Machatschkala ist obwohl mehrheitlich muslimisch so etwas wie der Goldstrand vom östlichen Kaukasus. Am kaspischen Meer gelegen geht hier abends die Post ab. In jeder Location fallen aufgebrezelte junge Frauen mit teuren Handtaschen und hochhackigen Schuhen auf. Auch im Kaukasus sind die jungen Damen sehr modebewusst und investieren ihre ganze Zeit in ihr Aussehen. 

Was einen einfachen Grund hat. Schließlich ist die Heiratsdeadline so der 21. Geburtstag. Und wer’s bis 25 nicht geschafft hat, kann sich vom Markt verabschieden. Es wird sogar behauptet, dass die Bräute im Sommer dermaßen scharf aussehen, dass einem beim Anblick das Eis in der Waffel schmilzt. Während ersteres auch für den Mai zutrifft, ist letzteres mangels Eis in Waffeln eher eine Wunschvorstellung.  

Die Männer sehen weniger scharf, um nicht zu sagen ziemlich doof und aggressiv aus, tragen alle das gleiche Bartmuster und laufen mit Matrosenhemden herum. Man muss sich deshalb auch nicht wundern, wenn man als einer der fünf jährlich auftauchenden westlichen Touristen auch als gewisses Freiwild angesehen wird. Andererseits kann die Konversation mit einer heimischen Dame auch dazu führen, dass man danach unmittelbar Probleme mit einem dieser Leichtmatrosen hat. 

Nach derlei Aktionen verkrümele ich nich dann in traditionell russische Kneipen. Da ist es zwar dunkel und so gemütlich wie in einer Hobbithöhle. Es dominieren auch die Männer und es stinkt nach Schweiß, Bier und Bratfett. Aber man hat seine Ruhe und der halbe Liter Bier kostet weniger als einen Euro.

Den Tag über war ich in Derbent an der Grenze zu Aserbaidschan. Während die geographische Grenze zwischen Europa und Asien Cage durch Ural und Kaukasus definiert ist, wird hier die Trennung der Kontinente sichtbar. Man steht vor einem eher unscheinbaren historischen Stadttor und befindet sich in Asien. Geht man jedoch durch das Tor in die Altstadt, bin ich in Asien. Und stehe ich direkt im Tor, bin ich ein kontinentaler Grenzgänger.

In Derbent gibt es eine Burganlage aus dem 14. Jahrhundert, die sich auch auf der Liste der UNESCO Weltkulturerbe findet. Hier hat man einen herrlichen Blick über die Stadt auf das Kaspische Meer. Es ärgert mich schon jetzt, dass ich den Rückflug über Moskau gebucht habe. Von hier ist man ruckzuck in Aserbaidschan und könnte den Sonntag gemütlich in Baku verbringen. 

Zu Mittag sitze ich entgegen sonstiger Gewohnheiten in einem Restaurant in Derbent. Gelockt hat mich russische Live Musik. Drinnen wird gerade ein Geburtstag gefeiert und ich kann es nicht lassen, meine Nase durch die Tür zu stecken. Wie das Lied ausgegangen ist, muss ich glaube nicht näher erläutern. Derbent ist bekannt für Cognac und Sekt, der hier zu Spottpreisen unter die Leute gebracht wird. Neben diesen Köstlichkeiten tischt man mir noch Wodka und Bier auf. Die russische Gastfreundlichkeit kennt eben keine Grenzen, zumindest wenn es darum geht, Alkohol anzubieten. Den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten erspare ich mir dann. Der Besuch einer Moschee mir drei Promille intus käme vermutlich nicht so gut an und die hiesige Scharia Polizei ist bestimmt nicht so lustig wie deren nicht religiösen Kollegen in Fazikaus.

P.S.: Für Nichtterroristen ist in Dagestan die größte Gefahr der Verkehr. Das Rezept gegen den Nervenkitzel hatte ich schnell gefunden: eine unverhoffte Geburtstagsfete mit russischem Sekt, Bier, Wodka und Brandy.